Depression im Studium - Was Studenten wissen sollten!

Das Studium ist für einen Großteil der Jugend eine entscheidende, lebensverändernde Phase in ihrer Entwicklung. Klar, man ist nicht mehr in der Pubertät, dennoch ist der Einstieg ins Erwachsenenleben für viele einer der wichtigsten Lebensabschnitte überhaupt. Du lernst dich neu kennen. Du lernst ein Du kennen, das zum ersten Mal alleine lebt, alleine kocht, wäscht, putzt, einkauft und abspült. Ein Du, das in eine neue Welt geworfen wird, neue Freunde, Sportclubs und Musikgruppen finden muss. Das kann für einige eine wunderschöne Herausforderung im Leben sein, für andere ein absoluter Albtraum.

 

 

Neben der Aufgabe sich ein neues Lebensumfeld anzueignen, werden die Studierenden mit vielen weiteren Anforderungen konfrontiert. Die meisten Vollzeitstudiengänge nehmen extrem viel Zeit, Fleiß und Durchhaltevermögen in Anspruch. Der Druck kommt nicht nur von den Deadlines und Leistungsanforderungen der Universität, sondern ebenso auf den Studenten und ihren Ansprüchen an sich selbst. Hinzu kommen äußere Faktoren, wie in etwa das Vergleichen mit den Leistungen von Kommilitonen oder auch die Erwartungen der Eltern und Freunde. Und irgendwo, inmitten von Verpflichtungen, Anforderungen und eigenen Zielen/Träumen, findet sich tief vergraben im Kopf der meisten Studenten ein überwältigendes Gefühl namens Angst. Angst vor den Erwartungen. Angst vor Überforderung. Angst vor Versagen. Angst vor der Zukunft. Angst es laut auszusprechen.

 

 

Laut des Arztreports der BARMER 2018, litten in diesem Jahr fast 500.000 Studenten an psychischen Erkrankungen, darunter meist Depressionen. Entgegen des typischen Klischees des faulen, feierwütigen Studenten, hat das Deutsche Studentenwerk eine Studie zum Arbeitsaufwand und der Freizeit von deutschen Studierenden durchgeführt. Durchschnittlich stecken diese pro Woche etwa 33 Stunden Zeit in ihr Studium, wobei die Zahl zum Semesterstart stets weniger ist und in der Klausurenphase enorm/stark/extrem ansteigt. 68% der deutschen Studenten übt neben ihrem Vollzeitstudium einen Nebenjob aus, wobei zusätzlich soziale Kontakte, Partnerschaften, Sport und andere Hobbys hinzukommen. Die Tatsache, dass eine so große Zahl Studierender in dieser Überforderung ersticken zu scheint, wundert daher nicht.

 

 

Depressionen treten im Regelfall nur bei Menschen mit einer Veranlagung auf. Diese kann man jedoch frühzeitig feststellen, beispielsweise durch das psychische Krankheitsbild der Eltern. Genau dieses frühzeitige Erkennen einer psychischen Erkrankung ist das Hauptziel der Psychotherapie und Depressionshilfe, denn das größte Hindernis an ihrer Bekämpfung ist das Schweigen/die Ohnmacht der Betroffenen. Sie reden nicht über ihre Ängste und Zweifel und vergleichen sich ständig mit Anderen. Sie sind der Überzeugung jeder in ihrem Umfeld kriegt all die Anforderungen mit Leichtigkeit unter einen Hut, was Selbstzweifel und Minderwertigkeitskomplexe hervorruft. Sie fressen die Sorgen in sich hinein, bleiben unter sich, fühlen sich einsam, nicht verstanden und als eine Belastung für Andere. Weitere Anzeichen einer Depression zeigen sich in Form von längerfristiger Erschöpfung, Schlafstörung, Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, Stimmungsschwankungen, Demotivation das Haus zu verlassen und dem extremen Bedürfnis nach Isolation.

 

Vorerst ist das Wichtigste in einer solchen Situation, dem Betroffenen zu vermitteln nicht als Einziger solch depressive Züge aufzuweisen und vor Allem nicht alleine mit seinen Problemen zu sein. Die Behandlung von Depressionen erfolgt durch regelmäßige Psychotherapie, meist in Form von einer kognitiven Verhaltenstherapie, die überaus gute Ergebnisse erzielt. Wenn nötig werden Antidepressiva verschrieben, die je nach Zustand mit beruhigender oder auch stimmungserhellender Wirkung eingesetzt werden. Den Betroffenen wird geraten den Alltag mit vertrauen Bezugspersonen in einer gewohnten Umgebung (nicht wie oft angenommen in einem entspannten Strandurlaub) zu verbringen. Die Tatsache, dass alleine in Deutschland durchschnittlich 17 % aller Studierenden einmal unter einer psychischen Erkrankung leiden, zeigt auf, dass viele Gleichgesinnte ähnliche Probleme aufweisen. Dies soll dazu beitragen, die oft so große Hemmschwelle vor einem Hilfeschrei zu überwinden und die Entscheidung zu einer Psychotherapie mit Mut, anstelle von Scham zu betrachten.

Autorin: Author: Lilian Schäfer