Überforderung und wie du mit ihr umgehen kannst

Jeder Student kennt das Gefühl der Überforderung, die besonders in den Klausurenphasen ihren festen Platz in den Köpfen der Studenten einnimmt. Diese Momente, wenn du dich vor den Prüfungen oder einer gewissen Abgabe von einer Nachtschicht zur nächsten hangelst, chronische Schlaf- und Ernährungsstörungen zum Alltag werden und du dein Leben verfluchst, weil du Freitagnacht um 12 Uhr immer noch in der Bib sitzt, anstatt die Kasse deiner Lieblingskneipe zu füllen. Es sind diese Momente, in denen du dich fragst, warum du diesen ganzen Mist überhaupt wissen musst, in denen du jegliche soziale Kontakte vernachlässigst, dein Zimmer einer Müllhalde gleicht und du überlegst, ob du vielleicht einen Weltrekord mit deinem Kaffeekonsum aufstellen könntest. Spaß beiseite - die Überforderung im Studium kann einen manchmal wirklich auffressen. Der Druck ist hoch, die Ansprüche sind enorm und die Arbeitswelt wird nur noch viel härter. Neben der eh schon so nervenzerrenden Lernkrise kommen Prüfungsangst, Selbstzweifel und Leistungsdruck hinzu. „Ich muss besser werden“, „Ich brauch diese Note, um meinen Schnitt aufrecht zu erhalten“, „Ich bin schon bei meinem 3. Versuch, noch einmal darf ich die Prüfung nicht verhauen“, „Ist das wirklich das Richtige für mich?“, „Bin ich wirklich gut genug?“ Kommen dann noch anderweitig private Probleme hinzu, kommt man schneller als man blinzeln kann in den teuflischen Leistungs-Kreislauf des Studentenseins. Anstatt zu Lernen, Schreiben etc., zerbrichst du dir stundenlang den Kopf darüber, wie viel Stoff du noch in wie viel Tagen in deinen Schädel kriegen musst, warum du dich schon wieder mit deiner Freundin gestritten hast oder was passiert, wenn du nochmal durch die Prüfung fällst. Dieses Abschweifen klaut dir wertvolle Zeit und demotiviert dich nur noch viel mehr. 
 
 
Die unüberschaubare Fülle an Anforderungen und Verpflichtungen einerseits und unerfüllten Träumen und Hoffnungen andererseits, können enorme Ängste auslösen. Die Angst zu versagen, die Angst andere und sich selbst zu enttäuschen und die Angst vor der unsicheren Zukunft. Laut des Arztreports der BARMER 2018 litten in diesem Jahr fast 500.000 Studenten an psychischen Erkrankungen, darunter oft Depressionen. Diese zeigen sich zum Beispiel in Form von Erschöpfung, Schlafstörung, Konzentrationsproblemen, Stimmungsschwankungen, Minderwertigkeitskomplexen, Demotivation das Haus zu verlassen und dem extremen Bedürfnis nach Isolation. Entgegen des typischen Klischees des faulen Studenten, der 3 Mal die Woche feiern geht und jeden Tag bis 12 Uhr schläft, hat das deutsche Studentenwerk eine Studie zum Arbeitsaufwand und der Freizeit von deutschen Studierenden durchgeführt. Durchschnittlich stecken diese pro Woche etwa 33 Stunden Zeit in ihr Studium, wobei diese Zahl zum Semesterstart stets weniger ist und in der Klausurenphase enorm ansteigt. 68% der deutschen Studenten üben neben ihrem Vollzeitstudium einen Nebenjob aus, wobei zusätzlich soziale Kontakte, Partnerschaften, Haushalt, Sport und andere Hobbys hinzukommen.
Aus diesem Teufelskreislauf aus Zielen, Ängsten, Stress und Anforderungen auszubrechen ist nicht leicht, aber es ist möglich! Am wichtigsten sind Erfolgserlebnisse. Du hast es in der Vergangenheit schon unzählige Male geschafft, Prüfungen zu bestehen, die dich alle Nerven gekostet haben. Du hast sie vielleicht sogar mit Bravour bestanden, obwohl du sie eigentlich zuerst schieben wolltest. Du musst lernen genau darauf stolz zu sein und daraus Kraft zu schöpfen. Denk daran, dass du jetzt nicht dort stehen würdest, wo du momentan bist, wenn du wirklich so ein „Versager“ wärst, wie du es in Momenten der Verzweiflung manchmal denkst. Du hast auf deinem Weg dorthin viele Hürden überwunden: Neben Kellnern, Liebeskummer, Familienproblemen und einigen hundert Überforderungs-Zusammenbrüchen hast du es trotzdem geschafft, deine Nachtschichten durchzuziehen, mit deinem Schlafmangel zu leben und deine Prüfungen zu bestehen. Sei stolz darauf, beiß die Zähne zusammen und denk immer daran: Wenn du es so viele Male geschafft hast, warum nicht auch dieses Mal? 
 
 
Am besten setzt du dir selbst Ziele: motivierende Erlebnisse, Reisen oder Belohnungen, die du dir nur dann erfüllst, wenn du dein Bestmöglichstes gegeben hast und zum Beispiel alle Prüfungen angetreten bist. Genauso wichtig sind beim Lernen schöne und EFFEKTIVE Pausen. Es ist weder entspannend, noch befriedigend für Kopf und Körper, wenn du in deinen Lernpausen nur am Handy hängst und dir nebenbei eine Tüte Chips reinschaufelst. Geh raus, triff dich mit deinen Freunden in der Mensa, um gemeinsam zu Mittag zu essen, geh eine halbe Stunde joggen oder stell deine Lieblingsband an und geh spazieren. Mach etwas für deinen Körper, das ihm Energie gibt, anstatt sie ihm zu nehmen. Hierzu gehört auch ein stabiles, soziales Umfeld. Nimm dir Zeit für Familie und Freunde. Sie sind es, die sich um dich kümmern, deinen Frust anhören und wenn es hart auf hart kommt vielleicht auch mal 1-2 Seiten deiner Hausarbeit übernehmen. Eine gesunde Beziehung zu deinem Schreibtisch ist mit Sicherheit von Vorteil, aber er ist es nicht, der dir in Notsituationen ein leckeres Abendessen kocht. Lass nicht zu, dass du in Momenten der Überforderung in Zweifeln und Selbstmitleid versinkst. Teile deine Ängste mit deinen Kommilitonen und Freunden. Du würdest dich wundern, wie vielen es genauso geht und wie erfüllend es ist, sich gemeinsam mit einem anderen Mal so richtig auszukotzen. Wie sagt man so schön: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Und wenn dir auch das nicht hilft, solltest du dir vor Augen führen, dass es heutzutage nichts Befremdliches an sich hat, mit einem Psychiater oder Therapeuten über Probleme zu reden. Dieser ist im Endeffekt auch nichts anderes als ein guter Freund, der sich deine Sorgen anhört- nur eben eine professionelle und noch dazu unabhängige Alternative dazu. 

 
Der letzte Tipp, den du dir wirklich zu Herzen nehmen solltest: Nimm dir die Zeit, die du brauchst! Das soll jetzt nicht heißen, dass du alle Klausuren solange schieben sollst, wie nur irgend möglich, nur weil du grad mehr Bock auf die Hausparty am Wochenende hast. Aber jeder Mensch hat seine eigenen Lerngewohnheiten und sein eigenes Zeitfenster, das dafür nötig ist. Wenn du also an deinen Grenzen bist und merkst, dass du so einfach nicht mehr hinterherkommst, dann nimm dir mehr Zeit und vergleich dich dabei nicht mit anderen. Bevor du vor lauter Stress deine Gesundheit oder Psyche beeinträchtigst, hängst du lieber noch ein weiteres Semester dran. Oder denkst du es interessiert deinen späteren Arbeitgeber wirklich, ob du deinen Abschluss nun mit 22, 23 oder 24 bekommen hast? Das was wirklich zählt, ist das Wissen und die Fertigkeiten, die du aus deinem Studium mitbringst. Arbeite also lieber langsamer und dafür auch gründlich, bevor du am Ende deines Bachelors merkst, dass du vor lauter Zeitdruck nur noch schlechte Leistungen erbracht hast. Arbeite lieber zeitintensiv, dafür aber mit Herz und Seele, als dass du am Ende merkst, dass du keinerlei Inhalte mit aus deinem Studium nimmst, weil du alles immer nur in dein Kurzzeitgedächtnis gepresst hast. 
 
In der Ruhe liegt die Kraft!  

 

Autorin: Lillian Schäfer