Architekturstudium - Das solltest Du wissen!

Aufbau des Studiums

Je nach Hochschule unterscheidet sich der typische Aufbau des Studiums, beispielsweise in der Anzahl der erforderlichen Semester oder dem Schwerpunkt. Im Folgenden berichten wir exemplarisch von einer deutschen Fachhochschule.

Der Bachelor besteht aus sechs Semestern und ist vergleichbar mit dem Unterricht in der Oberstufe eines Gymnasiums, es gibt sogar einen vorgefertigten, wenig flexiblen, Stundenplan. Ähnlich wie in der Schule gibt es Doppelstunden von ca. 08:00 – 19:00, meist ca. 6 Stunden am Tag. Diese Doppelstunden werden entweder für eine Vorlesung genutzt oder als sogenannte „Übung“.

 

Das Ende des Bachelors bildet die Bachelor-Thesis, der erste Abschluss im Architekturstudium, der auch gleichzeitig die Voraussetzung für das Master-Studium darstellt. Der Master ist vom Aufbau identisch, hat aber nur vier Semester und endet mit der Master-Thesis. Dieser Abschluss ist die „richtige“ Eintrittskarte in die Berufswelt der Architektur.

 

Typische Fächer im Architekturstudium

Das Studium ist in zwei Hauptbereiche gegliedert: Der Baukonstruktion und dem Entwurf. Der konstruktive Schwerpunkt besteht u.a. aus Tragwerkslehre, Technischem Ausbau, Bauphysik und Baukonstruktion. Diese Fächer gehen stark ins Detail und sind, wie es der Name teilweise schon vermuten lässt, sehr technisch.

 

Die kreativen Fächer sind zum Beispiel: Freies Zeichnen, Modellbau, Layout und Entwurf. Es wird gezeichnet, gemalt und „gebastelt“. Denn eines haben alle praktischen Fächer gemein: Du wirst einen enormen Verbrauch an Papier und Materialien haben, denn in der Architektur läuft so gut wie nichts über das geschriebene Wort. Vielmehr werden Modelle in jeglichen Maßstäben gebaut und tausende von Zeichnungen angefertigt.

 

Zusätzlich gibt es noch Fächer wie Städtebau, Baugeschichte, Baurecht und Gebäudekunde. Während um diese Fachbereiche niemand herum kommt, gibt es auch noch Möglichkeiten einen eigenen Schwerpunkt festzulegen. Beispielsweise durch verschiedene Wahlpflichtfächer und das Studium Generale.

 

Prüfungen und Nachtschichten

Kommen wir nun zu dem wirklich interessanten Teil: Was wird von mir während des Studiums gefordert? Das Architekturstudium besteht aus Kreativität und Technik – und so kann man wohl auch am besten beschreiben, was den Studierenden abverlangt wird ... Am Anfang jedes Semesters wird in allen praktischen Fächern eine große Aufgabe ausgegeben. Meist geht es um ein Gebäude, welches geplant werden – oder ein städtisches Gebiet, welches analysiert und verbessert werden soll. Diese Aufgaben werden im Rahmen der Übungen wöchentlich von Professoren oder Lehrbeauftragten korrigiert und besprochen. Der Leistungsdruck beginnt daher direkt in der ersten Woche, schließlich vergeht kein

Wochentag, indem nicht wieder irgendeine Aufgabe zur Korrektur vorgestellt werden muss. Das Ganze gipfelt am Ende des Studiums mit der sechswöchigen Intensivphase. In dieser Zeit gibt es keine Korrekturen mehr und man muss bis zu fünf verschiedene Aufgaben selbstständig beenden und anschließend die entsprechenden Pläne und Präsentationsmodelle abgeben. Nachtschichten sind im Architekturstudium daher völlige Normalität.

Ein riesiger Pluspunkt an unserer exemplarischen Fachhochschule ist, dass es so gut wie keine Klausuren gibt und die Semesterferien wirklich frei sind, da alle Abgaben vorher stattfinden.

 

Fragen an Absolventen und Studenten

 

Hand aufs Herz, wie anstrengend ist es, Architektur zu studieren?

 

Insbesondere die ersten zwei Semester dienen scheinbar zur Selektion der Studenten. Für viele ist das Architekturstudium sehr attraktiv, die wenigsten Erstsemester halten aber bis zum Ende durch. Das liegt sicherlich am anstrengenden Leben, denn man verbringt jeden Wochentag bis zu 8 Stunden an der Hochschule und muss abends und nachts die „Hausaufgaben“ abarbeiten. Den Bachelor empfand ich als sehr fordernd und anstrengend, im Master konnte ich mir mein Pensum etwas freier gestalten.

 

Würdest du nochmal Architektur studieren?

 

Definitiv! Es gibt kaum ein vielfältigeres und spannenderes Studium. Ich habe so viel gelernt, nicht nur fachlich, sondern auch menschlich. Durch die vielen hundert Male, die ich meine Arbeit präsentieren musste, macht mir Sprechen vor Publikum gar nichts mehr aus. Und ich habe gelernt, wo meine Grenzen liegen – teilweise viel „höher“, als vorher gedacht.

 

Was willst du später damit machen?

 

Ich habe 2015 meinen Master gemacht und kann die Frage daher aus einer anderen Perspektive beantworten. Ich habe im Städtebau gearbeitet und ein eigenes Designlabel gegründet.

 

Das Berufsleben

 

Wie finde ich einen Job?

 

Seit ein paar Jahren boomt die Baubranche und es werden überall Architekten gesucht. Oft kommt man durch Kontakte im Studium an einen Job, aber auch die klassische Bewerbung führt in den meisten Fällen recht schnell zu einer Anstellung.

 

Was macht ein Architekt eigentlich im Job?

 

Der Beruf des Architekten ist sehr breit gefächert. Klassischerweise zeichnet der Architekt Entwürfe für Bauherren, die ein Gebäude in Auftrag geben oder dieses durch einen Wettbewerb ausschreiben. Anschließend wird der Entwurf immer detaillierter ausgearbeitet und alle erforderlichen Schritte für den Bauablauf koordiniert. Außerdem überwacht der Architekt die Baustelle und sorgt dafür, dass alle Beteiligten ihren Job korrekt und im Zeitplan ausführen.

 

Werde ich damit reich?

 

Das größte Klischee zum Schluss: Architekten sind allesamt reich! Leider ist dem nicht immer so ... Teilweise verdient der Architekt nicht viel mehr als der Maurer auf seiner Baustelle. In Einzelfällen können aber durch Spezialisierungen oder aber durch herausragende Leistung recht zufriedenstellende Gehälter erzielt werden. Insbesondere als Inhaber eines erfolgreichen Architekturbüros.