Semesterferien! Und jetzt?

Wer kennt es nicht? Gerade denkst du noch „Zwei Monate Semesterferien - Diesmal nutze ich die Zeit wirklich sinnvoll!“ In diesen Momenten der Einsicht sitzt man da und malt sich aus, was man denn Alles vollbringen könnte in den Ferien. Und Schwups- man blinzelt 3 Mal und schon steht wieder der erste Unitag vor der Tür. Und wie hast du dir die Zeit vertrieben? Na ist doch klar, du warst unheimlich beschäftigt mit deinem Nebenjob, Waschen, Aufräumen, Lesen und vielleicht auch ein bisschen Netflix, Shoppen, Zocken, Feiern und natürlich dem täglichen Kaffee- Tratsch.
 
Wie um alles in der Welt soll man denn da noch Unikram unterkriegen? Experten des SINUS-Instituts haben herausgefunden, dass mindestens 1/3 der deutschen Bevölkerung Verpflichtungen solange aufschiebt, bis der Stress so richtig beginnt, bzw. bis eine gewisse Deadline näher rückt. Prokrastination, oder auch „Aufschieberitis“ - die wohl verbreitetste Krankheit unter Studenten. Wenn du deine Semesterferien nun endlich einmal sinnvoll nutzen willst, dann gibt es hierfür eine plausible Lösung: Mach ein Praktikum oder erkunde die Welt!
 
Und wie stellst du das an?
Wenn du mal wieder einen dieser euphorischen Momente hast, in denen du dein Leben plötzlich umkrempeln willst, dann musst du diesen Motivationsschub einfach nutzen und sofort handeln! Am Besten setzt du dich dann schleunigst an die Recherche, schreibst Bewerbungen und schickst ein paar Mails raus. Praktika sind wohl immer noch die einfachste und schnellste Option, um dich weiterzubilden. Dabei machst du nicht nur etwas Gutes für deinen Lebenslauf und somit auch für deine Zukunftsaussichten, sondern am aller meisten für die eigene Erfahrung und deine praktische Präzision. Und das Beste daran: Deine oft so zweifelnden Eltern werden vor lauter Begeisterung aus allen Wolken fallen und ziemlich sicher überraschst du auch dich selbst: Man kann es kaum glauben, wie gut es sich anfühlt, mal so richtig stolz auf das eigene Engagement zu sein. Und zwar um Längen mehr, als wenn du es endlich mal geschafft hast, den Müll rauszubringen oder deinen Geschirrhaufen zu spülen. Es ist vielleicht auch mal von Vorteil zwischen den Bergen aus Büchern, Prüfungen, Hausarbeiten und anderen theoretischen Grundlagen der meisten Studiengänge ein paar Berufserfahrungen im echten Leben zu sammeln - nicht nur an deinem Schreibtisch. Und Hey- vielleicht passiert ja sogar ein Wunder und du blühst voll und ganz in deinem Praktikum auf! Vielleicht findest du auf Anhieb genau das Richtige und - gehen wir vorsichtig mal noch einen Schritt weiter- vielleicht machen sich nach deiner ausgezeichneten Arbeit ja sogar ein paar neue Türen für dich auf. Und wenn sich dann ein paar Tage später wieder dein zweites Ich meldet, das doch eh schon so „erschöpft von all den Prüfungen ist“ und in den Ferien doch eigentlich nur chillen will: Pech gehabt. Mit ein bisschen Glück hast du zu dieser Zeit schon das ein oder andere Bewerbungsgespräch in der Tasche. Gratuliere- dein motiviertes Ich hat dein faules Ich also erfolgreich übers Ohr gehauen.
 
Den gleichen Trick kann man übrigens auch für andere Dinge wie beispielsweise für das Reisen anwenden. Im Klartext bedeutet das: Nutze deinen „Ich-will-etwas-Vernünftiges-machen“- Energieschub, um dich über Reiseländer in deinem Budget zu informieren, andere Freunde zu motivieren oder - für den unwahrscheinlichen Fall, dass du gerade viel zu viel Geld auf dem Konto hast- einfach gleich zu buchen. Klar: Reisen ist jetzt nicht unbedingt mit der Bildungsbreite eines Praktikums zu vergleichen und kommt vermutlich auch bei den Eltern nicht halb so gut an, aber immer noch besser, als zu Hause zu versacken. Wie Goethe schon an Schiller schrieb: „Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite.“ Gewinn und Verlust, genau das ist es, woran du beim Reisen wachsen kannst. Ob es die Autopanne im hintersten Eck des Nirgendwo-Lands ist, ob du mit Durchfall und Magenkrämpfen im Bett liegst, ob dein Geldbeutel geklaut wird oder ob du einfach nur ordentlich von ein paar Einheimischen abgezockt wirst. Du begibst dich in neue Territorien und somit auch in neue Sprachen, Kulturen und Gewohnheiten, du erfährst mit Sicherheit etwas, das dir auf ewig bleibt. Immerhin lernst du im Praktikum nicht, wie man eine Auslandskrankenversicherung abschließt, wie man in einer asiatischen Polizeistation Anzeige erstattet, wie man einen Reifen wechselt, einen Scooter fremdstartet oder eine Lebensmittelvergiftung behandelt. Das Gute ist: Egal wie verzweifelt die Situation im jeweiligen Moment auch aussieht, ein paar Wochen später kann man meistens lauthals darüber lachen. Wenn es also gut läuft, bzw. in diesem Sinne wohl eher schlecht läuft, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man durch eine solche Reise reichlich an Selbstständigkeit, Durchhaltevermögen, Geduld und Flexibilität dazugewinnt, also nicht gerade gering. 
 
Natürlich ist ein solcher Trip nicht nur von ununterbrochenen Pechsträhnen geprägt, sondern ebenso vielen Glücksmomenten. Das Reisen lebt ja immerhin besonders von den schönen Erfahrungen, von denen man ein Leben lang zehren kann. Hat man die Welt erst einmal von einer ganz anderen Seite gesehen, kann man so einige Vorurteile und Klischees über Bord werfen. Nicht selten kann sich der Deutsche in den meisten asiatischen oder südamerikanischen Ländern zum Beispiel, eine dicke Scheibe abschneiden, wenn es um Freundlichkeit, Gastfreundschaft, Ungezwungenheit oder Lebensfreude geht. Man lernt also nicht nur den eigenen Wohlstand umso mehr zu schätzen, sondern bringt mit ein bisschen Glück auch noch ganz neue Lebenseinstellungen und Werte mit nach Hause. Diese unerwarteten Gewinne und Verluste können deinen Erfahrungshorizont also wirklich ein gewaltiges Stück erweitern und dir auf ganz andere Weise Energie für das neue Semester bringen.

 

Autorin: Lillian Schäfer